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Der alte Römerkanal

  • 19. Okt. 2025
  • 2 Min. Lesezeit


Nachdem wir den vergessenen Bonzenfriedhof hinter uns gelassen hatten, wollten Papa und ich eigentlich zurück zum Auto.

Aber dann zeigte er wieder in den Wald – und ich wusste, was das heißt: Das Abenteuer war noch nicht vorbei.


„Da oben“, sagte er. „Da verläuft der alte Römerkanal. Willst du sehen, wo die Römer ihr Wasser hergeschickt haben?“

Ich grinste. „Klar will ich!“


Wir stapften also den Hang hinauf, zwischen Farnen und alten Baumstämmen, und plötzlich standen wir vor einem niedrigen, dunklen Durchlass im Hang.

„Das da?“, fragte ich.

Papa nickte. „Genau. Das ist ein Stück der römischen Wasserleitung – über 2000 Jahre alt.“


Ich schaltete meine Taschenlampe ein und leuchtete hinein. Der Gang war vielleicht einen Meter hoch, eng und kühl.

„Ich pass da rein!“, sagte ich sofort.

Papa wollte gerade was sagen, aber ich war schon auf allen Vieren und kroch hinein.


Die Luft roch nach Erde und Stein, meine Lampe ließ die feuchten Wände rot schimmern. Papa erklärte später, dass der Putz so aussah, weil die Römer zerkleinerte Ziegel untergemischt hatten – Opus signinum nannte er das. Ziemlich schlau für Leute ohne Betonmischer.


Im Inneren konnte ich noch die Abdrücke der Bretter sehen, auf denen sie das Gewölbe gebaut hatten. Ich hab mit den Fingern drübergestrichen – die Rillen fühlten sich rau an, alt und irgendwie stolz.


„Alles okay da drin, Ragnar?“

„Klar!“, rief ich, „aber eng ist’s hier – die Römer waren wohl kleiner!“


Als ich wieder rauskroch, grinste Papa breit.

„Du bist echt furchtlos“, sagte er.

„Nö“, meinte ich, „nur neugierig.“


Und während wir noch lachten, sahen wir überall um uns herum Pilze – ganze Teppiche davon, in allen Farben. Braun, Rot, Gelb, sogar ein paar, die leuchteten, wenn man genau hinsah.

„Schau mal, Papa! Die Römer hatten bestimmt keine Ahnung, was hier alles wächst!“


Er lachte, machte Fotos und erzählte mir, dass durch diese Leitung früher 20 Millionen Liter Wasser am Tag geflossen sind – von der Eifel bis nach Köln.

Ich konnte mir das kaum vorstellen. So viel Wasser, so eine lange Strecke – und alles nur mit Gefälle. Keine Pumpen, keine Elektrik. Einfach pure Genialität.


Wir blieben noch eine Weile, lauschten dem Wind, der durch den Wald zog, und ich dachte mir:

Die Römer waren vielleicht keine Abenteurer wie ich, aber Erfinder waren sie ganz bestimmt.


Als wir schließlich zurückgingen, roch der Wald nach Regen und Geschichte.

Ich drehte mich noch einmal um und sagte leise:

„Danke, Römer – war cool bei euch.“


Papa lachte, und Nala bellte irgendwo unten am Weg.

Ein perfekter Abschluss für einen Tag voller Geheimnisse, Gräber und genialer Ideen.





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