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Die verschwundene Burg auf dem Hohenseelbachskopf

mystische Ruine auf dem Vulkan


Heute wollte Papa mir eine Burg zeigen.


Also eigentlich…

eine Burgruine.


Zumindest hatte er das gesagt.


Wir liefen durch den Wald immer weiter hinauf auf den Hohenseelbachskopf und irgendwann fragte ich:


„Papa.. wo ist denn jetzt die Burg?“

Papa grinste.

„Die ist weg.“


Hä?


Wie kann denn bitte eine ganze Burg weg sein?


Aber genau das ist die Geschichte vom Hohenseelbachskopf.

Hier oben stand nämlich wirklich einmal eine ziemlich große Burg.


Und zwar genau auf einem alten Vulkan.

Okay… der Vulkan ist schon ungefähr 20 Millionen Jahre alt und macht heute natürlich nichts mehr.

Aber trotzdem.


Eine Ritterburg auf einem Vulkan finde ich schon ziemlich cool.

Papa erklärte mir, dass der Berg früher ganz anders aussah. Oben befand sich eine mächtige Kuppe aus schwarzem Basaltgestein.


Und genau dort bauten die Ritter von Seelbach ihre Burg.

„Wann war das?“

„Vor fast 700 Jahren.“


Um das Jahr 1350 herum durften die Herren von Seelbach hier eine Burg errichten.

Vielleicht stand sie sogar schon ein bisschen früher hier, denn bereits 1332 nannte sich ein Ritter Heinrich nach Hohenseelbach.


Ganz genau weiß man es heute nicht mehr.


Was man aber weiß:

Die Burg war riesig.

Papa zeigte in den Wald.


„Stell dir mal vor… die Burg war ungefähr 200 Meter lang.“

Ich schaute mich um.


200 Meter?!


Das ist keine kleine Ritterburg mehr.

Um die ganze Anlage verlief eine dicke Mauer aus Basalt und irgendwo hier oben gab es sogar einen tiefen Brunnen.

Ich versuchte mir vorzustellen, wie das damals ausgesehen haben muss.

Schwarze Mauern aus Vulkangestein.


Türme.

Ritter.

Pferde.


Und rundherum nur Wald und Berge.

Aber dann kam das Jahr 1352.


Und damit bekam die Burg ein ziemlich großes Problem.

Der Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg zog gegen die Burg.

Die Herren von Seelbach sollen nämlich Raubritter gewesen sein.


„Was sind Raubritter?“


Papa erklärte mir, dass manche Ritter Reisende und Kaufleute überfielen oder ihnen Sachen wegnahmen.

Ob die Ritter von Seelbach wirklich solche Räuber waren, ist heute allerdings nicht ganz so einfach zu sagen.


Aber die Burg wurde belagert.

Sie wurde eingenommen.

Und danach zerstört.


Das Verrückte daran:

Vielleicht war die Burg gerade einmal ein paar Jahre alt.

Vielleicht sogar noch gar nicht richtig fertig.

Und dann war schon wieder Schluss.

Sie wurde nie wieder aufgebaut.


Aber ihre Geschichte war damit noch nicht vorbei.

Denn zu dieser Burg gibt es eine Sage.

Und die fand ich fast noch besser.

In der Geschichte lebt hier oben Ritter Albert von Seelbach mit seiner Frau Gertrud.

Albert soll irgendwann zum Raubritter geworden sein und damit ziemlich viel Ärger bekommen haben.

Als seine Burg schließlich erobert wurde, durfte seine Frau Gertrud gehen.


Und sie durfte alles mitnehmen…

was sie selbst tragen konnte.


„Papa… das war aber nett.“

Papa grinste.

„Warte ab.“


Denn Gertrud nahm keinen Schatz.

Kein Gold.

Keine Truhe.

Sie nahm ihren Mann.


Sie setzte Ritter Albert auf ihren Rücken…

und trug ihn aus der Burg.

Ich musste lachen.


„Den ganzen Ritter?!“

Jap.


Den ganzen Ritter.


Ob das wirklich passiert ist, weiß natürlich niemand.

Es ist eine alte Sage.


Aber ich finde die Vorstellung ziemlich lustig.

Und angeblich gibt es noch eine Geschichte über diesen Ort.


In mondhellen Nächten soll die alte Burg manchmal wieder aus der Tiefe auftauchen…

mit einer langen schwarzen Fahne über den Mauern.


Okay.


Da würde ich vielleicht doch lieber tagsüber herkommen.

Aber jetzt fehlte immer noch etwas.


Die Burg.


Denn selbst nach ihrer Zerstörung waren hier oben noch lange Mauern und Gebäudereste zu sehen.

Bis die Menschen etwas anderes im Berg entdeckten.


Basalt.


Und davon gab es hier richtig viel.

Also wurde der Berg Stück für Stück abgebaut.

Die gewaltige Basaltkuppe verschwand.


Und mit ihr verschwanden irgendwann auch die letzten Mauern der Burg.

Heute steht man deshalb hier oben und sieht keine große Burgruine.


Keine Türme.

Kein Burgtor.

Fast nichts mehr.


Stattdessen sieht man die gewaltigen Spuren des alten Steinbruchs und noch immer diese komischen dunklen Basaltsäulen.


Und irgendwie fand ich das fast spannender.


Denn diesmal mussten Papa und ich eine Burg nicht einfach nur anschauen.


Wir mussten sie suchen.

In alten Steinen.

Im Berg.


Und ein bisschen in unserer Fantasie.


Ich stellte mich zwischen die Basaltfelsen und versuchte mir vorzustellen, dass genau hier einmal Ritter über einen Burghof gelaufen sind.


Vielleicht stand irgendwo ein Pferd.

Vielleicht rief jemand vom Turm.

Vielleicht schleppte jemand Wasser aus dem tiefen Brunnen nach oben.


Und vielleicht lief hier irgendwann Gertrud vorbei…

mit einem kompletten Ritter auf dem Rücken.


„Papa?“

„Ja?“


„Wenn unsere Burg angegriffen wird, trägst du mich aber auch.“

Papa schaute mich an.

„Andersrum wäre langsam auch mal okay.“


Nö.

Ganz bestimmt nicht.

Als wir wieder durch den Wald zurückliefen, schaute ich noch einmal nach hinten.

Eigentlich ist die Burg Hohenseelbach heute verschwunden.

Aber irgendwie auch nicht.


Denn wenn man weiß, wonach man sucht…

kann man sie sich zwischen den schwarzen Steinen immer noch ziemlich gut vorstellen.


Und vielleicht taucht sie bei Vollmond ja wirklich wieder auf.

Aber das darf Papa dann alleine überprüfen.


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