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Die Karlsburg

die Burgruine, die eigentlich gar keine ist !


Diesmal mussten Papa und ich wirklich suchen.


Wir waren mitten im Wald.

Bäume links.

Bäume rechts.

Kein Dorf.


Keine große Burg auf einem Berg

.

Eigentlich überhaupt nichts, was danach aussah, als würde hier gleich eine Burg kommen.


Und dann..

stand plötzlich dieser alte Turm zwischen den Bäumen.

„Papa!! Da ist sie!“


Die Karlsburg.

Mit alten Steinmauern, großen Fensteröffnungen und ganz viel Wald drumherum.

Sie sah wirklich aus wie eine dieser uralten Burgruinen, die wir so gerne suchen.


Also dachte ich natürlich:

Ritter.

Mittelalter.

Vielleicht irgendeine große Schlacht.


Aber Papa grinste schon.

Das ist meistens kein gutes Zeichen.


„Ragnar.. diese Burg ist gar keine richtige Burg.“


Hä?


Ich stand doch direkt davor.

Natürlich ist das eine Burg.


Und dann hat Papa mir ihre Geschichte erzählt.


Denn die Karlsburg wurde tatsächlich absichtlich so gebaut, dass sie aussieht wie eine alte Ritterburg.


Und zwar erst ungefähr 1878.

Da gab es längst keine Ritter mehr.

Keine Burgwachen.

Keine großen mittelalterlichen Schlachten.


Und trotzdem wollte ein Mann namens Carl Puricelli hier mitten im Wald seine eigene Burg haben.


Puricelli war ein reicher Industrieller und Eisenhüttenbesitzer.

Ihm gehörten unter anderem die Rheinböllerhütte und die Stromberger Neuhütte.

Und offenbar dachte er irgendwann:

Hier fehlt eine Burg.


Also ließ er sich eine bauen.

Nicht als richtige Festung.


Sondern wahrscheinlich als Jagd- und Lustschlösschen.


Und damit das Ganze auch ordentlich nach Ritter und Mittelalter aussah, wurde es im neugotischen Stil gebaut.

Sogar so, als wäre es bereits eine alte Ruine.


Das musste ich erstmal verstehen.

Die haben eine neue Burg gebaut..

die aussehen sollte wie eine kaputte alte Burg.


Erwachsene machen manchmal wirklich komische Sachen.


Aber wenn man davorsteht, funktioniert der Trick ziemlich gut.


Denn die Karlsburg sieht wirklich alt aus.


Der Turm wurde aus Bruchstein gebaut und steht auf einem Felsen über dem Guldenbachtal.


Von der Talseite sollte das Ganze wie eine kleine richtige Burg wirken.


Mit Turm.

Mauern.

Und kleinen angedeuteten Türmchen.


Der eigentliche Turm war ungefähr acht bis zehn Meter hoch. Über eine Außentreppe konnte man in das obere Stockwerk gelangen.


Und damals muss die Aussicht von hier richtig gut gewesen sein.


Auf der gegenüberliegenden Seite liegt die Grube Alexandra.


Unten verläuft die alte Strecke der Hunsrückquerbahn.


Und dazwischen liegt das Guldenbachtal.

Heute merkt man davon erstmal gar nicht so viel.


Der Wald hat sich die Karlsburg nämlich ziemlich ordentlich zurückgeholt.


Efeu wächst über die Mauern.

Bäume stehen überall.

Äste hängen zwischen den alten Steinen.

Und genau das macht diesen Ort irgendwie besonders.


Denn aus einer Burg, die vor ungefähr 150 Jahren absichtlich wie eine Ruine gebaut wurde, ist inzwischen tatsächlich eine Ruine geworden.


Das ist schon ziemlich verrückt.

Damals kam Carl Puricelli wahrscheinlich hierher, um zu jagen, Gäste zu empfangen oder einfach die Aussicht zu genießen.


Heute stehen nur noch die alten Mauern zwischen den Bäumen.

Und wenn man ihre Geschichte nicht kennt, könnte man locker glauben, dass hier vor 700 Jahren Ritter herumgelaufen sind.


Sind sie aber nicht.

Keine Ritter.

Keine Belagerung.

Kein Dreißigjähriger Krieg.

Nicht einmal ein mittelalterliches Klo konnte ich finden.


Enttäuschend.


Dafür hat die Karlsburg etwas, das keine andere Burg von unseren bisherigen Abenteuern hatte:

Sie hat uns reingelegt.


Und irgendwie finde ich das ziemlich cool.

Denn Geschichte muss nicht immer aus dem Mittelalter kommen.


Auch vor ungefähr 150 Jahren haben Menschen schon verrückte Sachen gebaut.


Und Carl Puricelli wollte eben mitten im Hunsrück seine eigene kleine Ritterburg haben.


Heute liegt die Karlsburg auf Privatgelände und Teile der Ruine sind stark beschädigt beziehungsweise einsturzgefährdet. Deshalb sollte man die Absperrungen unbedingt respektieren und die Ruine nur aus sicherer Entfernung anschauen.


Aber eigentlich macht genau das den Ort noch geheimnisvoller.

Man steht ein paar Meter entfernt zwischen den Bäumen.

Vor einem dieser einsame alte Turm.


Kein Eintritt.

Keine Souvenirläden.

Keine Ritterfiguren.


Nur Wald.

Wind.

Alte Steine.


Und eine Burg, die niemals eine richtige Burg war.

Papa..

die zählt trotzdem.


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