top of page
Logo_Ragnar.png

Die Burgruine Neudahn

die Burg mit den dicken Kanonentürmen


Als Papa gesagt hat, dass wir zur Burg Neudahn gehen, dachte ich zuerst:

Moment mal..


Dahn hatten wir doch schon.


Aber rund um Dahn gibt es so viele Burgen, dass man irgendwann wirklich durcheinanderkommen kann.


Neudahn steht ein bisschen für sich allein, ungefähr drei Kilometer von Alt-Dahn, Grafendahn und Tanstein entfernt. Und obwohl sie Neudahn heißt, ist auch diese Burg alles andere als neu.


Ihre Geschichte beginnt wahrscheinlich schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.


Papa hat mir erzählt, dass ungefähr um 1230 ein Mann namens Heinrich Mursel hier einen Burgsitz gebaut haben soll.


Er gehörte zu einer Seitenlinie der Ritter von Dahn.

Also wieder diese Dahner Ritter..

Die hatten hier wirklich überall ihre Burgen.


Und als wir dann davorstanden, fand ich Neudahn irgendwie anders als die anderen Felsenburgen.


Natürlich gibt es auch hier den roten Sandstein, der für diese Gegend so typisch ist.


Aber dann stehen da diese zwei riesigen runden Türme.

Dick.

Massiv.

Fast wie zwei steinerne Wachmänner.


Und die gehörten so noch gar nicht zur ersten Burg.


Denn irgendwann änderte sich das Kämpfen.


Früher musste eine Burg vor Pfeilen, Schwertern und irgendwelchen Leuten mit Leitern schützen.


Aber dann kamen Kanonen.


Und plötzlich waren hohe mittelalterliche Mauern gar nicht mehr so praktisch.


Also wurde Neudahn im 16. Jahrhundert richtig umgebaut.


Papa hat mir erklärt, dass diese Umbauten so groß waren, dass sie fast wie ein Neubau der Burg waren.

Dabei entstanden die beiden gewaltigen Batterietürme, die heute noch dort stehen.


In den Türmen gibt es Schießöffnungen.

Die heißen tatsächlich Maulscharten.

Maulscharten..


Manchmal haben Erwachsene richtig gute Wörter erfunden.


Durch diese Öffnungen konnten früher Feuerwaffen eingesetzt werden.

Außerdem bekam die Burg weitere Türme für Kanonen und sogar eine pfeilförmige Bastion nach französischem Vorbild.

Das war also irgendwann nicht mehr einfach nur eine Ritterburg.

Neudahn wurde langsam zu einer richtigen kleinen Festung.


Und das Beste:

In die beiden dicken Türme kann man heute noch hinein.


Über Treppen geht es nach oben und dann kann man über den Pfälzerwald schauen.


Natürlich kam von Papa wieder:

„Ragnar, langsam.“


Das gehört bei unseren Burgen inzwischen irgendwie dazu.

Aber Neudahn hat noch viel mehr erlebt.


1327 kam die Burg an die Edlen von Dahn. Sie gründeten sogar eine eigene Linie, die sich von Neudahn nannte.

Im Jahr 1438 wurde die Burg wahrscheinlich während des Vierherrenkriegs beschädigt.

Und 1523 wurde sie während der Sickingischen Fehde besetzt.


Ich finde das immer komisch.

Heute laufen wir dort ganz ruhig herum.


Vögel zwitschern.

Bäume wachsen zwischen den Mauern.


Und früher standen genau dort Menschen und wussten vielleicht nicht, ob ihre Burg am nächsten Morgen überhaupt noch ihnen gehört.


Im Jahr 1603 starben die Herren von Dahn schließlich aus.

Damit fiel Neudahn an das Hochstift Speyer und Amtleute wurden auf der Burg eingesetzt.

Aber irgendwann kam wieder dieser Teil einer Burggeschichte, bei dem Papa meistens schon so anfängt:

„Und dann kamen die Franzosen..“



Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Neudahn von französischen Truppen zerstört.

Danach wurde aus der alten Festung endgültig eine Ruine.

Und trotzdem steht noch erstaunlich viel.


Die dicken Türme.

Mauern.

Der runde Treppenturm.

Teile der Unterburg.


Und überall dazwischen dieser rote Felsen.


Manchmal weiß man hier wieder gar nicht genau:

Hat der Mensch die Burg auf den Felsen gebaut..

oder hat er die Burg einfach aus dem Felsen herausgebaut?


Und dann gibt es noch eine Geschichte, die natürlich genau mein Ding ist.

Eine alte Sage erzählt nämlich von einem Schatz auf Neudahn.


Zwei Männer sollen nach einem geheimen Zugang zu unterirdischen Gewölben gesucht haben.

Mit einer Kerze gingen sie hinein und suchten in der Dunkelheit nach einer Schatzkammer.


Irgendwann fanden sie wohl etwas, das wie eine metallene Tür klang.

Und genau in diesem Moment..

ging ihre Kerze aus.

Die beiden bekamen Angst und verschwanden.


Als sie am nächsten Tag zurückkamen, konnten sie den Eingang nicht mehr finden.

Natürlich ist das nur eine alte Sage.


Papa sagt immer, wir müssen unterscheiden zwischen dem, was wirklich passiert ist, und den Geschichten, die sich Menschen später erzählt haben.


Aber mal ganz ehrlich..

Eine uralte Felsenburg.

Dunkle Gänge.

Eine verschwundene Tür.


Und irgendwo dahinter vielleicht ein Schatz?

Ich hätte wenigstens nochmal nachgeguckt.

Vielleicht ist die Tür ja immer noch da.

Heute ist Neudahn jedenfalls ganz still.

Keine Kanonen mehr.

Keine Ritter.

Keine Soldaten.


Nur diese zwei riesigen Türme, die nach ungefähr 500 Jahren immer noch aussehen, als würden sie auf ihre Burg aufpassen.


Und wenn man oben steht und über den Pfälzerwald schaut, kann man sich ziemlich gut vorstellen, warum die Menschen ihre Burgen genau hier gebaut haben.

Wald bis ganz weit nach hinten.

Rote Felsen zwischen den Bäumen.


Und irgendwo darin versteckt sich schon die nächste Burg.


Papa..

wir müssen da hin.


Bildergalerie

bottom of page