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Die Burgruine Ardeck

die kleine Burg über der Aar


Manchmal muss eine Burg gar nicht riesig sein, um richtig nach Ritterburg auszusehen.


Bei der Burg Ardeck bei Holzheim war das nämlich genau so.


Schon von weitem sieht man diesen dünnen runden Turm oben auf dem Felsen stehen.


Natürlich war meine erste Frage:

„Papa.. können wir da hoch?“


Papa hat nachgeschaut.


Nein.


Im Turm gibt es heute nämlich keine Treppe mehr.

Na super.


Aber dafür konnten wir uns den Rest der Burg anschauen.


Und Papa hat mir erzählt, dass die Ardeck schon seit mehr als 600 Jahren hier über der Aar steht.

Im Jahr 1395 taucht sie zum ersten Mal ganz sicher in den alten Aufzeichnungen auf.


Damals ließ Graf Adolf von Nassau-Dillenburg hier eine neue Burg errichten. Die Limburger Chronik berichtet sogar davon.


Und diesmal wurde die Burg wahrscheinlich nicht gebaut, weil irgendein Graf eine besonders schöne Aussicht haben wollte.


Die Ardeck hatte eine richtige Aufgabe.

Sie sollte die Grenze der Grafschaft Diez schützen.


Auf der anderen Seite saßen nämlich die Grafen von Katzenelnbogen.


Außerdem konnte man von hier einen wichtigen Weg überwachen, der aus dem Aartal über Holzheim in Richtung Limburg führte.


„Also haben die von hier geguckt, wer vorbeikommt?“


Ungefähr.


Dafür war dieser Platz ziemlich gut.


Die Burg steht nämlich auf einem schmalen Felsen und rundherum geht es teilweise ziemlich steil nach unten.

Wer hier oben saß, konnte also ganz gut aufpassen.


Und wenn jemand von der falschen Seite kam..


naja.


Dann wusste die Burg wahrscheinlich ziemlich schnell Bescheid.


Die Ardeck war dabei gar keine besonders große Burg.


Eine dicke Mauer umschloss das ganze Felsplateau. An der gefährdeten Zugangsseite stand eine besonders starke Schildmauer mit Türmen und dem Burgtor.


Und ganz hinten über dem Tal steht bis heute das auffälligste Stück der Burg:

der runde Hauptturm.


Er ist ungefähr 18 Meter hoch, aber nur etwas mehr als fünf Meter breit. Wahrscheinlich diente er vor allem dazu, die Umgebung zu beobachten.


18 Meter hoch und keine Treppe mehr.

Ich habe trotzdem nach oben geguckt.

Man kann es ja wenigstens versuchen.

Innerhalb der Mauern standen früher natürlich noch richtige Gebäude.

Dort lebten Menschen.

Es gab Räume.

Feuerstellen.

Dienstleute.


Und 1493 wird sogar eine Burgkapelle erwähnt.


Das finde ich bei Ruinen immer komisch.


Heute läuft man über Gras und zwischen kaputten Mauern herum.


Aber vor 500 Jahren hätte man wahrscheinlich irgendwo Rauch gerochen.

Menschen hätten geredet.

Vielleicht wären Pferde durch das Tor gekommen.

Und irgendein Kind hätte bestimmt irgendwo gespielt, wo es eigentlich nicht spielen sollte.

Das kann ich verstehen.


Ab 1467 wurde die Ardeck zum Hauptsitz der Herren von Diez.

Die Familie bekam die Burg als Lehen und wohnte tatsächlich lange hier.

Noch im 16. Jahrhundert wurde die Ardeck als Wohnsitz genutzt.

Und jetzt kommt etwas, das bei unseren Burgen eher selten passiert.


Die Ardeck wurde nämlich nicht in irgendeiner riesigen Schlacht zerstört.


Keine Kanonen haben den Turm umgeschossen.

Keine Armee hat die ganze Burg angezündet.

Sie wurde einfach irgendwann nicht mehr gebraucht.


Die Familie der Herren von Diez starb 1727 aus.


Danach wohnte niemand mehr dauerhaft auf der Burg.

Und eine Burg, um die sich niemand kümmert..

wird irgendwann zur Ruine.


Schon 1740 wurde die Ardeck als völlig verfallen beschrieben.

Das fand ich irgendwie fast trauriger als eine zerstörte Burg.

Niemand kam und machte sie mit einem großen Knall kaputt.

Die Türen blieben irgendwann einfach zu.


Vielleicht fiel zuerst irgendwo ein Stück Dach herunter.

Dann noch eins.

Regen kam hinein.

Holz verfaulte.

Steine lösten sich.

Jahr für Jahr.


Bis irgendwann nur noch die Mauern übrig waren.

Und dieser dünne alte Turm.

Der steht einfach immer noch da.


Seit über 600 Jahren.


Wenn ich solche Mauern anfasse, muss ich immer daran denken, wie viele Menschen vor mir schon genau dort gestanden haben könnten.

Vielleicht ein Ritter.

Vielleicht ein Diener.


Vielleicht jemand, der oben im Turm Wache halten musste.

Oder vielleicht einfach ein Kind.

Das genauso wie ich nach oben geschaut und gedacht hat:

Da will ich hoch.


Heute gehört die Ruine der Gemeinde Holzheim und man darf sie frei besuchen.

Keine Ritter mehr.

Keine Grenzwache.

Keine Herren von Diez.


Nur die alten Mauern über der Aar.

Und ein Turm ohne Treppe.

Papa..


eine Treppe wäre wirklich praktisch gewesen.


Bildergalerie

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