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Die Burg Koppenstein

der einsame Turm über dem Hunsrück

Manchmal sieht man eine Burg und denkt sofort..

Da muss ich hoch.


Bei der Burg Koppenstein war das genauso.


Wir waren mitten im Hunsrück unterwegs und irgendwann stand da zwischen den Bäumen dieser alte steinerne Turm.

Ganz alleine.


Von der großen Burg, die hier früher einmal stand, ist nämlich gar nicht mehr so viel übrig.

Aber dieser Turm hat einfach nicht aufgegeben.


Also musste ich natürlich hin.


Papa hat mir erzählt, dass der Berg Koppenstein schon im Mittelalter wichtig war. Die Burg, deren Reste wir heute sehen können, wurde vor allem vor ungefähr 700 Jahren von den Grafen von Sponheim ausgebaut. Um 1325 entstand hier eine richtige Burganlage.


Und dann hat Papa etwas gesagt, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte.


„Ragnar, hier war früher sogar eine Stadt.“

Eine Stadt?!

Hier oben?!


Tatsächlich bekam Koppenstein im Jahr 1330 Stadtrechte von Kaiser Ludwig dem Bayern. Unterhalb der eigentlichen Burg sollte also eine befestigte kleine Stadt entstehen. Besonders groß und wichtig wurde sie allerdings nie. Heute ist davon fast nichts mehr zu erkennen.


Ich habe versucht mir vorzustellen, wie es hier damals ausgesehen hat.


Menschen.

Pferde.

Häuser.


Eine Kapelle gab es auch.

Und mittendrin die Burg.


Heute stehen hier hauptsächlich Bäume.

Schon komisch irgendwie.


Das Größte, was noch übrig geblieben ist, ist der Bergfried.


Das ist der große Turm auf unseren Bildern.


Und der sieht ein bisschen seltsam aus, weil er nicht rund und auch nicht einfach viereckig ist.


Er hat fünf Ecken.


Der Turm ist heute noch ungefähr 20 Meter hoch und sein Eingang lag früher ziemlich weit oben.

Das war bei Burgtürmen gar nicht so ungewöhnlich.

Man sollte schließlich nicht einfach gemütlich zur Tür spazieren können, wenn man die Burg angreifen wollte.

Heute ist das zum Glück einfacher.


Denn man kann tatsächlich in den alten Bergfried hinein und bis nach oben steigen.


Also hoch mit uns.

Und ich sag euch..


Von unten sieht so ein Turm irgendwie kleiner aus.


Oben angekommen steht man auf einer Aussichtsplattform und plötzlich liegt der ganze Hunsrück vor einem.


Wälder.

Hügel.

Felder.


Und ganz viel Himmel.


Da habe ich verstanden, warum man eine Burg genau hier oben gebaut hat.


Man konnte wahrscheinlich schon von ziemlich weit sehen, wenn jemand kam.


Die Burg lag nämlich auf ungefähr 555 Metern Höhe.


Früher stand neben dem Turm noch viel mehr.


Es gab einen Palas, also das Gebäude, in dem gewohnt wurde, Mauern, Tore und sogar kleine Türme. Um die Burg führte außerdem ein gewaltiger Graben.


Und mit gewaltig meine ich wirklich gewaltig.


Teilweise ungefähr 10 Meter tief und 20 Meter breit.


Da springt auch Papa nicht einfach drüber.

Glaube ich zumindest.


Aber irgendwann wurde es auch auf Koppenstein immer stiller.


Nachdem die Grafen von Sponheim verschwunden waren, verlor die Burg an Bedeutung. Im 16. Jahrhundert wurde immer weniger an ihr gemacht und 1592 wurde sie bereits als verfallen bezeichnet.


Spätestens während des Dreißigjährigen Krieges wurden Burg und Siedlung schließlich aufgegeben.


Die Häuser verschwanden.

Mauern stürzten ein.

Der Wald kam zurück.

Nur der alte Turm blieb.


Und eigentlich dachte ich, damit wäre die Geschichte von Koppenstein vorbei.


Aber Papa hatte natürlich noch eine Geschichte.

Und die war ziemlich gut.


Ungefähr um das Jahr 1800 soll hier sogar Schinderhannes gewesen sein.


Ein echter Räuber.


Nach einem seiner Raubzüge wurde auf dem Koppenstein Beute aufgeteilt.


Da stand ich natürlich sofort wieder mitten zwischen den alten Steinen und habe mir vorgestellt, wie hier nachts irgendwelche Räuber sitzen und ihre Beute verteilen.


Vielleicht genau dort, wo wir gerade gelaufen sind.


Wer weiß.


Das ist sowieso das Verrückte an alten Burgen.


Heute ist alles ruhig.


Man hört den Wind in den Bäumen und läuft einfach über ein paar alte Steine.

Aber wenn diese Steine erzählen könnten..

Von Rittern.

Von einer kleinen Stadt mitten auf dem Berg.

Von Menschen, die hier gewohnt haben.

Von einem Kaiser, der diesem Ort Stadtrechte gab.

Und irgendwann sogar von Räubern.


Dann würden wir wahrscheinlich ziemlich lange hier oben sitzen.

Ich bin jedenfalls froh, dass der alte Turm noch da ist.


Über 700 Jahre später kann ich seine Treppen hochsteigen und von dort oben über den Hunsrück schauen.

Vielleicht hat vor ganz langer Zeit schon einmal ein Kind von dort oben in dieselbe Richtung geguckt.


Nur ohne Autos.


Und wahrscheinlich ohne Papa, der die ganze Zeit sagt:


„Ragnar, langsam auf der Treppe.“


Manchmal braucht ein Abenteuer eben gar keine ganze Burg mehr.


Manchmal reicht ein alter Turm..


und ein bisschen Fantasie.


Bildergalerie

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