

Die Brandenburg
zwei Burgen, süße Ziegen und ein riesiges Katapult
Heute waren Papa und ich wieder auf Burgsuche..
Diesmal ging es zur Burgruine Brandenburg bei Lauchröden.
Und schon als wir näher kamen, sah das ziemlich vielversprechend aus.
Alte Mauern.
Türme.
Eine riesige Ruine oben auf dem Berg.
Also genau unser Ding.
Aber bevor wir überhaupt richtig bei den Rittern angekommen waren, gab es erstmal etwas ganz anderes zu sehen.
Ziegen.
Rund um die Burg liefen tatsächlich Ziegen herum.
Und die waren sooo süß.
Damit war die Burg für mich eigentlich schon gut.
Ich hätte wahrscheinlich erstmal eine ganze Weile bei den Ziegen bleiben können.
Papa wollte aber natürlich noch die Burg sehen.
Also weiter.
Und dann stand da plötzlich dieses Ding.
Ein Katapult.
Ein richtig großes altes Katapult vor der Burg.
„PAPA GUCK MAL!!“
Okay…
Ziegen kurz vergessen.
Das Ding war der Hammer.
Natürlich musste ich sofort wissen, wie das funktioniert.
Papa erklärte mir, dass solche Wurfmaschinen früher bei Belagerungen eingesetzt wurden.
Damit konnte man schwere Dinge ziemlich weit schleudern.
Zum Beispiel Steine.
Ich schaute zum Katapult.
Dann zur Burg.
Dann wieder zum Katapult.
„Kann das noch schießen?“
Papa meinte, wir sollten das besser nicht ausprobieren.
Schade.
Ich hätte da schon ein Ziel gewusst.
Natürlich nicht die Ziegen.
Die waren viel zu süß.
Dann ging es endlich weiter zur eigentlichen Burg.
Und da erzählte Papa mir direkt die nächste komische Sache.
„Eigentlich sind das hier zwei Burgen.“
„ZWEI?!“
Jap.
Denn die Brandenburg war früher eine Doppelburg.
Hier standen tatsächlich zwei getrennte Burgen direkt nebeneinander.
Die Ostburg.
Und die Westburg.
Warum eine Burg bauen…
wenn man auch zwei haben kann?
Die Geschichte hier oben begann schon vor über 800 Jahren.
Bereits 1173 wird ein Burggraf von Brandenburg in einer Urkunde erwähnt.
Wir liefen zwischen den alten Mauern hindurch und diesmal musste man sich gar nicht alles nur vorstellen.
Hier steht nämlich noch richtig was.
Große Mauern.
Tore.
Und vor allem diese gewaltigen Türme.
„Papa.. waren das Wohntürme?“
Nicht ganz.
Bergfriede.
Das waren große, starke Haupttürme einer Burg.
Und weil hier zwei Burgen standen, gab es natürlich auch zwei davon.
Logisch.
Zwei Burgen.
Zwei Bergfriede.
Die beiden Burgen entstanden allerdings nicht genau gleichzeitig.
Zuerst gab es eine Anlage und später kam direkt daneben noch eine zweite dazu.
Zwischen den beiden lag sogar ein Graben.
Ich fand das irgendwie verrückt.
Stell dir vor, dein Nachbar wohnt nicht einfach im Haus nebenan…
sondern in seiner eigenen Ritterburg.
„Papa.. was ist, wenn die sich gestritten haben?“
Keine Ahnung.
Aber einfach über den Gartenzaun meckern war hier vermutlich schwierig.
Die Lage der Brandenburg war jedenfalls ziemlich schlau.
Von hier oben kann man weit über das Werratal schauen.
Heute sieht man Wald, Felder, Häuser und die Werra.
Früher war dieser Ausblick richtig wichtig.
Von hier oben konnte man sehen, wer sich der Burg näherte und was unten im Tal passierte.
Ich stellte mich hin und schaute hinaus.
Vielleicht stand vor 800 Jahren genau hier schon jemand.
Ein Ritter vielleicht.
Oder eine Wache.
Nur standen damals wahrscheinlich keine Autos unten.
Und bestimmt auch weniger Leute mit Handys herum.
Wir liefen weiter durch die Ruine.
Durch alte Tore.
An dicken Mauern vorbei.
Immer wieder musste ich irgendwo stehenbleiben und gucken.
Was war hier früher?
Wo haben die Ritter gewohnt?
Wo standen die Pferde?
Wo wurde gekocht?
Denn Papa sagt immer, eine Burg bestand nicht nur aus Rittern, die den ganzen Tag mit Schwertern herumgelaufen sind.
Hier lebten richtige Familien.
Menschen arbeiteten.
Es wurde gekocht.
Tiere mussten versorgt werden.
Wasser musste geholt werden.
Und irgendjemand musste wahrscheinlich auch den Pferdemist wegmachen.
Den Teil zeigen Ritterfilme irgendwie nie.
Irgendwann wurden solche Burgen aber immer weniger wichtig.
Die Menschen lebten anders.
Kriege wurden anders geführt.
Teile der Brandenburg wurden verlassen und die Gebäude verfielen.
Dächer verschwanden.
Mauern stürzten ein.
Pflanzen wuchsen zwischen den Steinen.
Und aus zwei richtigen Burgen wurde irgendwann die riesige Ruine, durch die Papa und ich heute laufen konnten.
Aber genau das mag ich.
Man bekommt nicht einfach alles fertig gezeigt.
Man muss gucken.
Suchen.
Und manchmal ein bisschen Fantasie haben.
Ich versuchte mir vorzustellen, wie die beiden Burgen früher nebeneinander auf dem Berg standen.
Mit Rittern auf den Mauern.
Pferden im Burghof.
Wachen in den Türmen.
Und unten vielleicht wirklich irgendwelchen Angreifern mit riesigen Wurfmaschinen.
Da musste ich natürlich sofort wieder an unser Katapult denken.
Schon ziemlich verrückt.
Heute steht man davor und denkt:
Cooles Ding.
Früher hätte wahrscheinlich jeder Ritter auf der anderen Seite der Mauer gedacht:
Oh Mist.
Als wir später wieder Richtung Ausgang gingen, waren natürlich auch die Ziegen wieder da.
Und irgendwie war das mein Lieblingsbild von der Brandenburg.
Diese riesigen alten Mauern…
zwei Burgen…
Türme…
ein gewaltiges Katapult…
Geschichten von Rittern und Belagerungen…
und dazwischen laufen einfach ein paar süße Ziegen herum.
Ich glaube, genau deshalb mag ich solche Orte.
Geschichte muss nämlich gar nicht langweilig sein.
Manchmal kann man durch 800 Jahre alte Mauern laufen.
Ein echtes Katapult anschauen.
Sich vorstellen, wie hier früher Ritter gelebt haben.
Und danach noch Ziegen beobachten.
Viel besser geht ein Burgabenteuer eigentlich nicht.
Obwohl…
das Katapult hätte ich schon gerne einmal ausprobiert.
Nur ganz kurz.
Papa hat Nein gesagt.
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